PRESSE

LA MUÑECA ES MÍA

INSÜLZ & KLETTENBERG. Thomas Dahl. 082026.

MINIMALISMUS, Grevy Galerie Köln. Die Geräuschkulisse wird final von Norberto Luis Romero dezent angehoben, dessen Ironie versprühende Stein-, Holz- und Metallskulpturen im Schaufenster mit Sicherheit für einen temporären Stillstand, Verwunderung, Kopfschütteln oder Lächeln vorbeiziehender Passanten sorgen werden.

BUNKER K-10I

Dra. Christl Kammerl-Baum

Den abschließenden Akkord setzt der interna onale Mul mediakünstler Norberto Luis Romero, als gebür ger Argen nier lebt und arbeitet er heute in Köln. Er vereint in seiner Kunst literarische Tiefe mit visueller Kra . Seine Werke – o tex le Objekte und digitale Kunst – sind alles andere als neutral. Thema sch durchbricht er die Grenze zwischen Unschuld und Bewusstsein. In seinen Arbeiten verhandelt er schonungslos die großen Themen: den körperlichen Verfall, die verlorene Unschuld, die allgegenwär ge Präsenz des Todes. Seine Kunst ist ein intellektuelles und efgründiges Spiel am Abgrund unserer Existenz. Zerrissene Tex lien, mitunter zarte Spitze wieder mit ros gem Draht zusammengehalten sind Zeugnis von Brutalität und Gewalt. Sein „Diptychon“ steht „unter Spannung“, und zeigt ein Stück zerrissenes Leichentuch, wie auch die anderen Sudario-Tex lbilder. Norberto Luis Romero will dabei den Begriff „Leichentuch“ bzw. „Sudario“ metaphorisch verstanden wissen. Es sind keine Leichentücher, sondern Gebrauchstex lien in einem neuen Zusammenhang. Vier gespaltene, offene Köpf, be telt Depression, Schizophrenie, Mul ple Persönlichkeit, Asperger-Syndrom haben „Steine im Kopf“. Es sind Steine des Anstoßes. Diesen Bezug zu Steinen, als „Symbol des Wahnsinns“ findet man schon in einem Gemälde von Hieronymus Bosch, um 1500, im Prado. Wer im Mi elalter einen Stein im Kopf ha e, der brauchte einen Barbier, denn nur dieser konnte den Wahnsinn herausschneiden.

CRELALA KUNST

„Cabinete de curiosidades»! Serien, Digitalcollagen  von Norberto Luis Romero, Künstler und Autor aus Argentinien im Grevy in Köln! Auch der Körper kann mit einem Spielzeug verglichen werden – einem Spielzeug, das Die Vielschichtigkeit des menschlichen Seins in all seinen Facetten… bei Norberto Luis Romero kann man mehr entdecken, als die gewohnten Anblicke der bekannten Welt. Die Mehrdeutigkeit von Worten, von Motiven, von Träumen und das Spielen mit der menschlichen Fantasie sind seine Stärke. Serien mit schweren Titeln wie „Tote Kinder», „Fenster», „Flucht», und „Schiffswracks» finden sich ebenso wie die Collage-Serien „Tiere», „Fische» oder „Fleisch». Dem prüden Denken gewohnter Anblicke begegnet der Künstler in vielen Werken und Collagen mit Nacktheit und Freizügigkeit. Das ganze Spektrum menschlicher Sehnsüchte, Träume und Wünsche scheint bedient und mit der Serie Labyrinth setzt er das seit Urzeiten immer wieder neu inszenierte Labyrinth in Szene. Vielleicht entfernt als wechselnde Strukturen auf Halbleiterchips interpretierbar, quasi Programmierung der Existenz und des Lebenskampfes, mit dem Labyrinth als Symbol für den Überlebenskampf und Arterhaltungstrieb. Norberto Luis Romeros Solo-Exhibition im Kunstraum Grevy als „Cabinete de curiosidades» ist vielschichtig, wundersam, humorvoll und bisweilen schockierend. – Provozierend umgesetzt. – Man kann wegsehen, wie sein Eisbär, oder eben hinschauen, und sich fragen, wie die eigene Haltung zu den Vorgängen in dieser Welt ist. Sind Norberto Luis Romeros Werke politische Statements? – Philosophische Betrachtungen? – Reflexionen? – Der Eisbär, der sich die Augen zuhält, oder eine schwarz-weiß-gefleckte Kuh auf grüner Wiese vor ihrer Ahnengalerie, wie ein queeres facebook im übertragenen Sinne… Norberto Luis Romeros Kunst beschreiben zu wolle Captura de pantalla . Man muss sie gesehen haben!

Die plastische Kunst von Norberto Romero. 02. april 2016 «Puppen» – digitale Collagen. Mehr als die Hälfte meines Lebens habe ich der erzählenden Fiktion gewidmet, Kurzgeschichten und Romane, aber seit etwa sechs Jahren wechsle ich das literarische Schaffen mit der bildenden Kunst ab, und letztere wird von Tag zu Tag stärker. Schon als Kind hatte ich eine Vorliebe für die Malerei, und es gab so etwas wie eine Leidenschaft dafür, vielleicht weil ich in der richtigen Umgebung aufgewachsen bin, denn mein Vater war Karikaturist. Es war definitiv, wenn auch nicht endgültig, dass ich während meiner Sekundarschulzeit an der Escuela Municipal de Arte Emilio Caraffa de Cosquín in der argentinischen Provinz Córdoba plastische Kunst studierte, bis ich mit 18 Jahren ein Filmstudium an der Universität begann. Diese Karriere dauerte nicht lange, sie verblasste aufgrund von Inkonsequenz, denn andere Träume drängten mich mehr. In Europa, insbesondere in Madrid, wo ich von 1975 bis vor kurzem lebte, und bevor ich mich in der deutschen Stadt Köln niederließ, wo ich seit drei Jahren lebe, kehrte ich sehr sporadisch zu meinen künstlerischen Ursprüngen zurück und konzentrierte mich auf das Schreiben von Belletristik und meine professionelle Arbeit als Gestalter und Koordinator von Museumsräumen. Koordinatorin von Museumsräumen. Als ich glaubte, meine Fähigkeit, mich mit Bildern, Farben, Räumen usw. auszudrücken, endgültig verloren zu haben, merkte ich, wie sich eine Welt der Ausdrucksmöglichkeiten auftat, indem ich fast beiläufig mit Photoshop spielte; ich spürte wieder Begeisterung, dieselbe Begeisterung, die mir vor Jahren Ölfarben und Pinsel in die Hand drückte, ich erlebte wieder die Freude, wenn Ideen in deinem Kopf kochen und du die Gewissheit hast, sie zu konkretisieren, sie zu materialisieren. In der Kürze meiner Arbeit habe ich zwei Ausstellungen, eine in Madrid und die andere in Köln, und eine Handvoll Veröffentlichungen in Kunstzeitschriften.

Veröffentlichungen in Kunstmagazinen. Natürlich sind die Obsessionen, die in meinem literarischen Werk als Interpreten fungieren oder sich als durchgängiger Bass in die Erzählungen schieben, auch hier, in meinem grafischen Werk, die Protagonisten: das Erkennen der dunklen Seite der Seele, der Schmerz, das Fleisch, das Blut, die verlorene Unschuld… Konstanten, die, mit mehr oder weniger Relevanz, den zentralen Knotenpunkt meiner Arbeit bilden. Im konkreten Fall der Serie digitaler Collagen «Muñecas» (Puppen), die hier ausgestellt is die hier ausgestellt ist, ist das nackte Fleisch erwachsener Körper, die Spuren, ÜberresteDiese hybriden Wesen zwischen Mensch und Künstlichkeit, zwischen Unschuld und Perversion, bewohnen schockierende, düstere oder verschlossene Szenarien, die viel mit Albträumen zu tun haben.Die Grenzen zwischen Kindheit und Reife, zwischen Unschuld und Bösem, zwischen Spiel und Perversion sind fließend. Unruhe, Fremdheit haben sich des Bildes bemächtigt und hinterlassen einen bitteren Beigeschmack. Vielleicht weil wir unsere Unschuld unwiederbringlich verloren habe.